Keppler kennt kein Halten

Wintersport: Albstädter rast auf der verkürzten „Streif“ auf Rang acht

Für ein hervorragendes Ergebnis aus deutscher Sicht hat Stephan Keppler vom WSV Ebingen auf der „Streif“ gesorgt. Bei der verkürzten Hahnenkamm-Abfahrt belegte er am Samstag Rang acht.

Stephan Keppler - Mitglied im Rennteam des WSV Ebingen Kitzbühel. Die Freude über seine Platzierung konnte auch die Tatsache nicht trüben, dass die Piste kaum etwas mit der berühmt-berüchtigten „Streif“ zu tun hatte, die als schwierigste Abfahrt der Welt gilt. Aufgrund warmer Temperaturen und reichlich Neuschnee mussten Steilhang und Mausefalle außen vor bleiben, das Starthaus wurde auf nicht mal halber Strecke oberhalb der Seidelalm aufgestellt.

Wie wohl die meisten seiner Kollegen hätte Keppler vor 60 000 Zuschauern gerne die gesamte Abfahrt bestritten. „Mir persönlich liegt die Streif. Vor allem die technisch anspruchsvollen Passagen kommen mir entgegen - und in den vergangenen drei Jahren konnte ich hier auch schon gute Ergebnisse erzielen“, hatte der 28-Jährige im Vorfeld versichert. Dass er den Mund nicht zu voll genommen hatte, bewies er am zweiten Trainingstag mit der achtbesten Laufzeit. Als durchaus realistisch erschien sein Ziel einer Top-Zehn-Platzierung.

Der erste Rückschlag kam in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Es regnete in Strömen, an eine weitere Probefahrt war nicht zu denken. Stattdessen begab sich der Albstädter zum Super G-Training – letztlich umsonst. Denn dieser für Freitag geplante Wettbewerb musste aufgrund des schlechten Wetters abgesagt werden, Keppler wurde um die Chance gebracht, in seiner stärksten Disziplin weitere Weltcup-Punktezusammeln.

Auch die Abfahrt am Samstag hing am seidenen Faden. Starker Schneefall machte den Organisatoren Sorgen, in drei Schichten gelang es 500 Helfern, einigermaßen reguläre Pistenverhältnisse zu schaffen. Als nicht gerade ideal stellte sich Kepplers Startnummer heraus: „Mit der Vier bist du so etwas wie der Schneepflug“, argwöhnte er. Aber der Albstädter fand die ideale Linie. Beim Katapultstart aus dem Häuschen blieb er zwar mit dem Stock hängen, leistete sich danach aber keinen Fehler mehr. „Schon am Start habe ich gemerkt, dass der Ski läuft“, bedankte sich Keppler bei seinem Ausrüster und seinem Wachser. Nach dem Flachstück, „das mit eigentlich nicht so liegt“, fand er die ideale Einfahrt in den Hausberg und den Trödlerhang, die beiden technisch anspruchsvollsten Passagen. Die Ziellinie überquerte er nach 1:13,76 Minuten und übernahm zunächst die Führung. Diese musste er zwar gleich an den nach ihm gestarteten Österreicher Joachim Puchner abgeben und auch der Franzose Johan Clarey war einen Wimpernschlag schneller.

Aber der Wahl-Münchner hielt sich lange auf dem dritten Platz, von dem ihn erst der im Abfahrts- Weltcup führende Schweizer Beat Feuz verdrängte. Sieger wurde dessen Landsmann Didier Cuche, der ausgerechnet in Kitzbühel sein Karriereende bekannt gegeben hatte. Die Zuschauer würdigten diese Geste des Eidgenossen und ließen den 37-Jährigen hochleben, der mit seinem fünften Sieg auf der „Streif“einen Rekord aufstellte. Weiter geht es am Wochenende in Garmisch-Partenkirchen mit der Kandahar-Abfahrt am Samstag und dem Super-G am Sonntag.

Quelle: ZAK, 23.01.2012, DILI